Stumm-Orgel spielt wieder zur Ehre Gottes


Gedanken zur Orgelweihe


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Gedanken zur Einweihung der Treiser Stumm-Orgel in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer


Gedanken zur Orgelweihe von Kantor Sven Scheuren


Vor 22 Jahren war ich noch mitten in meinem ersten Musikstudium, als mich einer der Professoren ansprach: „Ganz in Ihrer Nähe werden bald drei Kantorenstellen ausgeschrieben. Eine davon wäre was für Sie. Die ist im ländlichen Bereich und auch etwas weiter weg, aber erstens ist dort ein Pfarrer, der früher die Choralschola des Priesterseminars leitete und ein großer Kenner und Förderer der musica sacra und der Gregorianik ist, zweitens zeichnet sich die Gemeinde durch ganz besondere Sangesfreudigkeit aus. Drittens verfügt die Stiftskirche über die bedeutendste Orgel zwischen Trier und Koblenz, eine der klangschönsten Orgeln der Diözese und viertens gibt es da noch eine zweite Stumm-Orgel.“


Innerhalb des Bewerbungsverfahrens konnte ich mich rasch von der Stimmigkeit der ersten drei Aussagen überzeugen. Doch zu Punkt 4 hieß es lediglich, die Orgel in St. Johannes sei in fast unspielbarem Zustand und werde nächstes Jahr wohl restauriert… Nun, daraus sind lockere 21 Jahre mehr geworden. Aber das Warten hat sich gelohnt. Heute erklingt die Orgel klangprächtig und wohlintoniert.


Nachdem Pastor Floeck die Leitung der Pfarreien übernahm wurden die Orgelprojekte angetrieben. Sogleich wurde die Orgel in Karden renoviert und der Förderverein in Treis engagierte sich zielstrebig für die Treiser Stumm-Orgel. Mancher entwickelte dabei besonderes Interesse am Phänomen Orgelbau. So etwas hätte ich nie zu hoffen gewagt.


Nun können wir uns aber endlich wieder der Orgel-musik an sich widmen und ein ebensolches Interesse mag sich auch dafür einstellen. Unsere Orgel verdient im jetzigen Prachtzustand Beachtung über Kasualien etc. hinaus.


ZTreiser Stumm-Orgel in der Pfarrkirche St. Johannes der Täuferu diesem hochkarätigen Resultat kann man der Firma Klais nur danken und gratulieren, zunächst dem etablierten Stumm-Kenner Dr. Wolfgang Theobald und dem Montageteam um Thomas von Heymann. Für Spieler und Hörer an sich sind schließlich die klanglichen Ergebnisse und Erlebnisse entscheidend. Dafür zeichnen die Intonateure verantwortlich. Bereits nach wenigen Arbeitstagen und den ersten intonierten Pfeifen der Prinzipalreihen wurde klar, dass hier ein Intonationsstern vom Himmel gefallen und einer der Großen aus der Intonationsszene nach Treis geschickt worden war. Intonateuer Andreas Saage hat mit seinem Team mit höchster Kompetenz und Gründlichkeit gearbeitet und vor allem das Echowerk im Klang enorm veredelt.


Die Einzelstimmen im Hauptwerk sind von solch charmanter Charakteristik, dass es für einen Konzertorganisten eine Zumutung bedeutete, das Instrument von kurz vor Weihnachten bis zum 23. Februar nicht betätigen zu dürfen. Im Dezember wurde ich schwach und setzte mich nach einer hl. Messe mit dem Spiel eines Chorals in Bass- cantus firmus- Technik der Anweisung hinweg, um meine Neugierde hinsichtlich der neuen Basspfeifen zu legen. Die erste Reaktion war die eines Orgelamateurs, der offenbar autodidaktisch ein wenig Orgel spielt, er habe draußen vor der Kirche bemerkt, dass die Trompeten und der Bass viel zu laut seien. Das bewies klar den Erfolg der Restaurierung, denn damit sind die Stummcharakteristika treffend beschrieben. Für den Laienorganisten, der möglicherweise von einer 14-registrigen Allround-Orgel der 1970-er Jahre ausgeht, auf der man alles irgendwie, aber nichts adäquat spielen kann, mag der „Stumm-Klang“ zunächst fremd sein. Aber dem Kenner bietet sich ein Ausnahmeorgelklang mit ganz eigenem Charakter.


So waren unsere beiden diözesanen Orgelsachverständigten des Lobes voll über den getroffenen Grundcharakter, besonders über die sich zart einschwingende Gambe. Der Prinzipalchor ergibt einen im Raum weichen, fast sich drehenden Klang, das seit der letzten Restaurierung völlig versagende Krummhorn ist zu neuem Leben erwacht und viele vorher unbenutzbare Einzelstimmen faszinieren im Raum. Für diese sagenhafte Leistung möchte ich Herrn Saage meinen herzlichen Dank aussprechen. Mein Dank geht auch an unseren Förderverein mit Landrat Manfred Schnur und Pfarrer Floeck und an alle Treiser, die sich dem Verein angeschlossen und mit Spenden, dem Besuch der Konzerte oder auf ihre ganz besondere Weise dieses Jahrhundertprojekt ermöglicht haben. Dank auch an den Kirchenchor und die Frauengemeinschaft, die durch den Ankauf der Studio-Orgel in der Zeit der Renovierung Orgelmusik ermöglicht haben.


Gründonnerstag zieht unsere Orgel immer für drei Tage nach Rom, wie wir sagen. Nun war sie zwar nur in Bonn, aber dafür mehr als ein Jahr. Umso größer ist die Freude über ihre Rückkehr. So wünsche ich allen Treisern und allen Freunden der Orgel und vor allem der Orgelmusik viel Freude an ihrer tollen Orgel, die hoffentlich niemals in Gottesdiensten schweigen oder gar durch andere Instrumente ersetzt werden wird!


Anmerkungen zum Programm „Abendmusik“


Kantor Sven Scheuren an der restaurierten Treiser Stumm-OrgelEs ist eine fast nicht zu bewältigende Aufgabe, eine Orgel mit solchem Farbreichtum in einer „kleinen Abendmusik“ zu präsentieren. Da sind nur einige Schnappschüsse möglich.


Ausgehend vom Begriff „Abendmusik“, der von Dieterich Buxtehude und seinem Schwiegervater und Amtsvorgänger Franz Tunder geprägt und etabliert wurde beginnt die heutige Abendmusik mit einem Buxtehude-Block. Zum 200. Geburtstag Buxtehudes im Jahre 1837 wurde in Treis die prächtige Stumm-Orgel errichtet. Manche Buxtehudiana fordern geradezu atmende Windversorgung zur Erzielung spezieller Effekte, die Buxtehude scheinbar – von dieser Windversorgung ausgehend – komponiert hat. Zwei Jahre später, 1839, war die Geburtsstunde der Buxtehude-Edition durch Franz Commer, zunächst zaghaft mit einer Komposition (BuxWV 157), bis dann Phillipp Spitta 1875/76 gezieltere Editionen ermöglichte. Durch die Mehrteiligkeit der Präludien und Toccaten Buxtehudes im „stylus phantasticus“ lassen sich verschiedene Registriertypen und Klangmöglichkeiten auch einer Stumm-Orgel wunderbar demonstrieren. Besonders im Versus-Zyklus „Nimm von uns“ zeigen sich unterschiedliche Techniken und Registriermöglichkeiten, schließlich entstammt er der Alternmatim-Praxis: Einem dreistimmigen Versus mit cantus firmus im Choralmetrum folgt ein noch transparenter geformtes Bicinium, das im Bass alle Notenwerte von Viertel bis Zweiunddreißigstel munter kombiniert. Versus 3 ist ein typischer kunstvoller „monodischer Orgelchoral“ mit ausdrucksstarker Oberstimme. Versus 4, wieder ein Bicinium, ist ein breiter Cantus firmus mit einfachem Kontrapunkt. Die Ciacona BuxWV 160 bringt 31 Variationen über einem viertaktigen Bass, der im Unterschied zur Passacaglia auch variiert und chromatisch umgestaltet wird. Intensive buxtehudische Harmonik verleiht seinen Ostinato-Werken einen tiefen seelischen Ausdruck. Bekannt ist die Wertschätzung Johannes Brahms für diese Werke. Das Präludium BuxWV 163 in der von Buxtehude geliebten g-Moll Tonart ist vergleichbar der großen Toccata BuxWV 156 im Hinblick auf kompositorischen Facettenreichtum. So werden Sie hier eine spannende und kontrastreiche Farbgebung erleben, welche der Orgel dank ihrer Disposition und ihrer kunstvollen Intonation zu Eigen ist.

Die eigentliche Kunst des Orgelspiels ist eine formal, stilistisch und spieltechnisch gediegene Improvisation. Nur durch Improvisation ist konkretes Eingehen auf Raum, Inhalt, Instrument, gestufte Feierlichkeit und Abläufe der Liturgie, ja sogar auf Uhrzeit überhaupt erst möglich. Disposition, Spielanlage und Ambitus unserer Stumm-Orgel weisen sie klar in erster Linie als „Improvisationsorgel“ rund um die Handlungen des Priesters und den „cantus planus“ der Schola aus. Mit zwei unterschiedlichen Improvisationen, zuletzt einer über „Alles meinem Gott zu Ehren“ sollen die einzelnen Farben der Orgel gezeigt, gegeneinander aufgestellt und zusammengeführt werden. Dabei wird die Orgel zunächst im Stil ihrer Entstehungszeit präsentiert und später im erweiterten Rahmen, ganz im Bezug zum textlichen Gehalt: „Alles meinem Gott zu Ehren“ So schrieb auch Ahnherr Stumm: „Gebraucht sie denn in der Absicht, dazu sie hier ist aufgericht!“

Organisation der „Konzerte mit der Stumm-Orgel“

Ansprechpartner: Dekanatskantor Sven Scheuren (Konzertorganist)

Kontakt:

info@sven-scheuren.de

www.sven-scheuren.de


Konzerte 2014


Flyer zur Kirchenmusik